Musica Sacra International Internationaler Kammerchor-Wettbewerb Marktoberdorf Chor- und Musikverband Achordas Allgemeiner Cäcilien-Verband für Deutschland Arbeitskreis Musik in der Jugend e.V. Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland Internationaler Arbeitskreis für Musik e.V. Pueri Cantores Verband Deutscher KonzertChöre e.V. Musica International
Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände e.V.

Historie

Die Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände e.V. (BDC) wurde 1952 als Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände (ADC) gegründet und kann auf eine bewegte Geschichte im übergreifenden Wirken für die Amateurchormusik in Deutschland zurückblicken. Die nachfolgende Historie zeichnet den Weg der ADC seit ihrer Gründung über die Umbenennung im Jahr 2012 bis heute nach.

Zur Geschichte der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg vereinbarten die kirchlichen und weltlichen Chororganisationen eine dauerhafte Zusammenarbeit. Das führte am 21.5.1952 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände (ADC).

Gründung und Zweck

Der ADC gehörten 1952 die fünf Chorverbände Allgemeiner Cäcilienverband, Deutscher Allgemeine Sängerbund, Deutscher Sängerbund, Verband evangelischer Kirchenchöre Deutschlands und Verband Gemischter Chöre Deutschlands mit dem Arbeitskreis für Jugend und Hausmusik und der Musikantengilde an. Durch Umbenennungen, Zusammenschlüsse, Teilungen, Beendigung und Neuaufnahme der Mitgliedschaft besteht die BDC heute aus den sieben bundesweit agierenden Chorverbänden Achordas, Allgemeiner Cäcilien-Verband für Deutschland, Arbeitskreis Musik in der Jugend, Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland, Deutscher Chorverband Pueri Cantores, Internationaler Arbeitskreis für Musik und Verband Deutscher KonzertChöre.

1952 stimmten die Verbände darin überein, dass die ADC „neben der gegenseitigen Unterstützung den Zweck hat, die allen Verbänden gemeinsamen übergeordneten, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen gegenüber der Öffentlichkeit, den staatlichen und kommunalen Körperschaften, der Presse und dem Rundfunk zu vertreten.“ Dies wurde in einer ersten Satzung festgelegt. Sie wurde bis heute mit der gleichen Zielsetzung fortgeschrieben und in vielen Projekten und Maßnahmen ausgeführt, die auch heute noch Bestand haben.

Zelter-Plakette

Dazu zählt die Zelter-Plakette für 100-jährige Chöre, deren Wiederverleihung 1954 angeregt und 1956 vom Bundespräsidenten gestiftet und von der Bundesregierung erlassen wurde. 1957 wurde sie erstmalig durch Bundespräsident Theodor Heuss verliehen. Seither geschah dies jedes Jahr; bis einschließlich 2016 haben insgesamt ca. 12.000 Chöre die Zelter-Plakette erhalten. Im Jahr 1968 wurde in gleicher Weise für die instrumentale Laienmusik die Pro Musica-Plakette gestiftet. Im Jahr 1971 wurde der Festakt zur Verleihung der Zelter-Plakette erstmalig gemeinsam auch für die Pro Musica-Plakette durchgeführt. Dies geschieht seitdem alljährlich als zentraler Teil der „Tage der Chor- und Orchestermusik“, eines von Amateurmusikern gestalteten Wochenendes, an wechselnden Orten Deutschlands, jedes Jahr in einem anderen Bundesland.

Öffentlichkeitsarbeit

1957 wurde ein Heft mit Volksliedern zum gemeinsamen Singen veröffentlicht, das schließlich in mehreren Auflagen 130.000 Exemplare erreichte. Seither hat die ADC wiederholt Publikationen herausgegeben, so 1964 ein Kasualienheft geistlicher Männerchor-Gesänge, 1968 Handbücher der Chormusik, 1992 Chronologie der ADC, 1995 Chorwesen in Deutschland, 2003 Kongressergebnisse „Chor-Visionen“.

Es erfolgten Erhebungen zum Chorwesen, die erstmalig 1962 und seither in meist fünfjährigen Abständen von 1965 bis 2004 erfasst und veröffentlicht wurden. Für den Musikalmanach in vierjährigen Abständen wurde der Teil des vokalen Laienmusizierens mit den Verbänden der ADC abgestimmt.

Chorkulturelle Darstellungen, Tagungsberichte und Erklärungen zählten zu den Veröffentlichungen, die auch durch eine große Zahl von Pressemitteilungen ergänzt wurden.

Fortbildung

1961 fand erstmalig in Regensburg eine „Chorleitertagung“ statt. Diese Tagungen zum künstlerischen Austausch wurden zunächst zweimal jährlich an wechselnden Orten wiederholt. Es erfolgten konzeptionelle Änderungen, die schließlich zu „berufsbegleitenden Lehrgängen für die Leitung von Kinder- und Jugendchören“ führten. Sie werden bis heute an den Bundesmusikakademien in Trossingen und Wolfenbüttel, zeitweise auch in Remscheid, fortgeführt.

Einer ersten Informationstagung 1973 zu kulturpolitischen Fragen des Laienmusizierens folgten zahlreiche weitere Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen und mit wechselnden Partnern. Auch die im Präsidium der ADC behandelten Themen reichten in die Verbände hinein und fanden Beachtung auch darüber hinaus.

Titel "Chordirektor BDC"

Aus der Nachkriegs-Situation heraus, dass viele befähigte Chorleiter nicht in der Lage waren, ihre Fähigkeiten mit einer durch einen Examensabschluss erworbenen Auszeichnung zu belegen, wurde 1969 der Titel „Chordirektor ADC“ geschaffen. Anhand von Konzert-Gutachten hat bis 1991 eine Kommission den Titel 498 Mal zuerkannt. Bessere Ausbildungsmöglichkeiten ließen seither strengere Prüfungskriterien zu. Entsprechend diesen Anforderungen werden seither jährlich etwa zehn Titel zuerkannt. Bisland ist der Chordirektor-Titel insgesamt rund 650 Mal verliehen worden.

Kulturelle Zusammenarbeit

Im Gründungsjahr 1952 trat die ADC der „Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung und Musikpflege“ bei. Seither hat sie selbst und mit den in ihrem Präsidium vertretenen Repräsentanten der Verbände an der Arbeit des 1953 gegründeten Deutschen Musikrates entscheidenden Anteil. Dazu zählen insbesondere auch seit 1975 ihre Initiativen zum 1982 erstmals ausgetragenen Deutschen Chorwettbewerb, der von den Mitgliedern des ADC-Präsidiums entscheidend geprägt wurde und bis heute begleitet wird.

Die Zusammenarbeit mit den Organisationen des instrumentalen Laienmusizierens wurde durch die von der ADC angeregte Gründung der Bundesvereinigung Deutscher Laienmusikverbände 1979 organisatorisch vollzogen. Inzwischen arbeiten ADC und der instrumentale Schwesterverband BDO unter dem Dach der Bundesvereinigung Deutscher Chor- und Orchesterverbände zusammen und kooperieren seit 2017 sogar sehr eng auf der Ebene ihrer Geschäftsstellen.

Seit seiner Gründung 1989 entwickelte sich der Internationale Kammerchor-Wettbewerb Marktoberdorf zu einem der weltweit renommiertesten Veranstaltungen des Chorwesens. Er steht in der Trägerschaft der ADC und wird bis heute in ideellen wie auch finanziell-organisatorischen Belangen von ihr begleitet.

Förderung und Finanzierung

Die Arbeit der ADC wird seit ihrer Gründung von den für die Kulturpflege zuständigen Bundeseinrichtungen begleitet und finanziert, seit 1989 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Der Stellenplan hat sich mit den jeweiligen Anforderungen verändert. Für die Maßnahmen zur Verleihung der Zelter-Plaketten stehen gesonderte Zuwendungen zur Verfügung.

Präsidentschaft, Geschäftsführung und Sitz

In dreijährigen Abständen werden der Präsident und sein Stellvertreter aus dem Kreis der Mitgliedsverbände gewählt. Zusätzlich werden Vertreter des Präsidiums für verschiedene Aufgaben bestimmt. Unter anderem hatten folgende Persönlichkeiten als Präsident(in) Einfluss auf das Wirken der ADC: Dr. Willi Engels, Dr. Lore Auerbach, Hans-Dieter Starzinger, Prof. Reinhard Stollreiter, Hans-Willi Hefekäuser, Dr. Regina Görner, Prof. Dr. Hans Jaskulsky. Die früher übliche Praxis, die Geschäftsführung der ADC in die Räumlichkeiten eines Mitgliedsverbandes einzugliedern, brachte einen mehrmaligen Sitzwechsel der Geschäftsstelle mit sich. Nach Detmold, Köln und Wolfenbüttel und Marktoberdorf ist der Sitz des Generalsekretariats seit 2016 nunmehr Berlin. Seit 2011 ist die Stelle des Generalsekretärs hauptamtlich besetzt.

Archivierung

Zeitnahe Unterlagen der ADC werden an ihrem jeweiligen Sitz verwaltet. Vorübergehend wurden 1966 in Essen und in Solingen erhaltensbedürftige Unterlagen und Dokumente archiviert. Ein Teil des Archivs befindet sich derzeit im fränkischen Feuchtwangen.

Perspektiven

Das 1952 beschriebene Aufgabenspektrum der ADC bzw. BDC hat in wesentlichen Zügen auch nach 65 Jahren nach wie vor Bestand. Die zum 50jährigen Bestehen 2002 aufgestellten „Essener Thesen zum Chorsingen im 21. Jahrhundert“ sind ein guter Rahmen für die zukünftige gemeinsame Arbeit. Die Veränderungen in der Medienlandschaft machen es mehr denn je notwendig, durch eine zentrale Einrichtung verbandsübergreifend und neutral die Gesamtheit des deutschen Chorwesens zu repräsentieren und darzustellen. Es gilt, die allenthalben festzustellende neue Blüte des gemeinsamen Singens mit den Chorverbänden gemeinsam zu fördern. Die Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände will sich dieser Aufgabe im Bewusstsein ihrer Verantwortung für das gesamte deutsche Amateurchorwesen stellen.


Heribert Allen, in Zusammenarbeit mit Simon Pickel und Dolf Rabus – gestützt auch auf die Schrift Sass/Röder „40 Jahre Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände“ von 1992